Kloster Heiligkreuztal, Detailaufnahme Stuhl Maria-Josepha von Holzapfel

Erinnerung an eine starke PersönlichkeitÄbtissinnen-Stuhl

Durch eine Schenkung hat das „Museum in der Bruderkirche“ ein eindrucksvolles Zeugnis erhalten: Einen Lehnstuhl aus dem 18. Jahrhundert, dessen Stoffbezug das Wappen der Heiligkreuztaler Äbtissin Maria Josepha von Holzapfel zeigt.

Kloster Heiligkreuztal, Stuhl Maria-Josepha von Holzapfel

Feinteilige Schnitzereien und Profilierungen verzieren den Lehnstuhl.

Reich verziert und aufwendig gearbeitet

Die beiden Armlehnen und das Fußgestell des Stuhls sind filigran geschnitzt und zeigen flache Profilierungen. Das Besondere des Stuhls sind jedoch die fein bestickten Textilbezüge des Sitzpolsters und der Lehne. Der Bezugsstoff wurde passgenau für den Stuhl hergestellt. In aufwendiger und sorgfältiger Stickarbeit zeigt er vielfarbige Blattmotive und Blütenornamentik. Fachleute aus Kunstgeschichte und Restaurierung untersuchten den Stuhl und haben seine Fertigung ins 18. Jahrhundert datiert und sein Herkunft aus Süddeutschland bestätigt.

Zuordnung zu Kloster Heiligkreuztal

Was den Stuhl herausragend und für Heiligkreuztal wichtig macht, ist das gestickte Wappen, das an seiner Lehne zu sehen ist. Es ist in Gobelinstickerei mit Wollfäden auf Stramin separat ausgeführt und auf die Rückenlehne appliziert. Das Wappen zeigt einen Abtsstab zwischen den Buchstaben „F.M.I.A. Z. H: +.T.“ und Jahreszahlen „1727“ und außerdem ein vierteiliges Wappenschild mit Äpfeln. Es ist eindeutig zu identifizieren als das, das die Äbtissin Maria Josepha von Holzapfel geführt hat.

Kloster Heiligkreuztal, Stuhl Maria-Josepha von Holzapfel
Kloster Heiligkreuztal, Detailaufnahme Stuhl Maria-Josepha von Holzapfel

Das Wappen am Stuhl ist datiert auf 1727 und markiert durch die Buchstaben oberhalb des Wappens: „F.M.I.A. Z. H: +.T.“ . Aufgelöst heißt das: „Freiin Maria Josepha Äbtissin zu Heiligkreuztal“.

Kloster Heiligkreuztal, Abtissinnengalerie

Porträts aller 24 Äbtissinnen zeigt die Galerie der Äbtissinnen im Nordflügel.

Wer war diese Äbtissin?

Die Äbtissin Maria Josepha von Holzapfel (um 1700–1761) wird als tüchtig und entschlossen beschrieben. Beeindruckend lang hat sie das Nonnenkloster geführt. Sie trat ihr Amt 1723 an und hatte es bis zu ihrem Tod inne: 38 Jahre lang! Ab 1750 setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung in Heiligkreuztal ein. Unter ihrer Regie wurden zusätzliche Wirtschaftsgebäude gebaut. Die Zisterzienserinnen wirtschafteten vorteilhaft und konnten auch in die künstlerische Ausstattung ihres Klosters investieren. Unter anderem engagierten sie den berühmten Bildhauer Joseph Anton Feuchtmayer.

Weitere Kunstwerke sind im „Museum in der Bruderkirche“ zu sehen.

Lange Zeit im Besitz der Familie Grasselli

Am Ende der Klosterzeit erwarb die oberschwäbische Händlerfamilie Grasselli den Stuhl – vielleicht, als das Kloster in der Säkularisation aufgehoben wurde. Offenbar war die Familie dem Kloster eng verbunden. Die Familie hat seither den Stuhl von Generation zu Generation weitervererbt und damit bis heute bewahrt. Im Frühjahr 2022 schenkte die heutige Generation der Familie den Lehnstuhl dem Land, zur Ergänzung der Kunstwerke und Museumsgestände, die in Kloster Heiligkreuztal zu sehen sind.

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